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Die passende Leinwand für Ihren Beamer

Ein Projektor ist nur ein Schritt zum richtig großen Kino zu Hause. Der zweite Schritt ist die Auswahl der richtigen Projektionsfläche. Großbild-Fernseher sind gewaltige Geräte, schwer und klotzig vor allem dann, wenn sie nicht eingeschaltet sind. Wer einen Projektor verwendet, hat es einfacher: Die Hardware ist locker zu tragen, und die Bildwand kann man verschwunden lassen. Im separaten Heimkino-Raum wird man vor allem schätzen, dass die Größe des Bildes nur durch die Wände begrenzt ist und nicht durch die Technik. Doch damit sich der Projektor wirklich lohnt, sollte sich der Besitzer einige Gedanken über die Fläche machen, auf die er blicken will.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Die weiße Wand
2. Leinwand-Farbe
3. Format und Größe
4. Gain-Faktor
5. Tönung
6. Konstruktions-Typ
7. Maskierung
8. Größe, Gain und Lumen
9. Fazit

 

1. Die weiße Wand

Natürlich kann man direkt auf eine weiße Wand projizieren. Sie entspricht im Idealfall dem, was eine weiße Leinwand ohne Lichtverstärkung (Gain) zurückwirft: In alle Richtungen gleichmäßig gestreut, neutral in Helligkeit und Kontrast. Dagegen sprechen aber zwei Punkte. Zum ersten weiß man bei einer Wandfarbe nie, was vom Hersteller hineingemischt wurde. Damit das Weiß so richtig leuchtet, nehmen sie nämlich gerne Aufheller, die auf einzelne Spektren und zusätzlich auf Infrarot reagieren. Das führt dann zu falschen Farben und sogar zu verschlechtertem Kontrast, da es durchaus unkontrollierte Infrarot-Strahlung aus dem Projektor geben kann. Wer seine Wand mit schlichtem Kalk weißelt, kann dieses Problem umgehen.

Als zweiter Punkt kommt dazu, dass die gleichmäßige Abstrahlung zwar verhindert, dass sich ein Hotspot im Bild bemerkbar macht, also eine Zone höherer Helligkeit. Aber gleichzeitig wirft eine neutral reflektierende Fläche alles Licht so in die Umgebung, dass aus dem Raum heraus viel Helligkeit zurück aufs Bild gelangt. Das führt dann dazu, dass der Kontrast leidet, weil dunkle Bereiche nicht mehr schwarz dargestellt werden können. Das könnte man dadurch kompensieren, dass der Rest des Raumes komplett dunkel getönt wird, von der Decke bis zu den Sitzen. Das lässt sich im speziellen Kino realisieren, aber natürlich nicht im Wohnzimmer.

 

2. Leinwand-Farbe

Die Probleme mit Wandfarbe lassen sich vermeiden, wenn man Spezialprodukte verwendet, die extra für Projektion angeboten werden, etwa Screengoo oder Proflexx. Sie sind in ihren optischen Eigenschaften mit einem Leinwandtuch vergleichbar, abgedunkelt bis stärker reflektierend. Doch diese Farben sind keineswegs ohne Nebeneffekte. So ist einiger Aufwand nötig, von der Vorbereitung des Untergrunds bis zum mehrfachen Auftragen von Farbe und Versiegelung. Unsichtbar ist diese Art von Projektionsfläche auch nicht, weil sich die Spezialbeschichtung vom Rest der Wand abhebt – wenn man nicht die ganze Wand entsprechend behandeln will, was aber kaum zu bezahlen ist.

 

3. Format und Größe

Als Leinwandformat wird man in der Regel 16:9 wählen, da praktisch alle Heimkino-Projektoren damit arbeiten. Das 4:3-Format war zu Röhrenzeiten üblich, aber heute wäre es unpassend. Nachdenken sollte man allerdings über eine superbreite Bildwand in Cinemascope, meistens als 2,35:1 oder 21:9 bezeichnet. Dann ist nämlich die Höhe aller Bilder konstant, es bleiben nur mehr oder weniger breite Ränder links und recht unbenutzt, je nach Film. Sinnvoll ist Cinemascope aber nur, wenn sichergestellt ist, wie sich der Projektor darauf anpassen lässt. Das geht mit einer anamorphotischen Vorsatzlinse oder auch mittels Zoom, wenn sich der optische Mittelpunkt des Bildes dabei nicht verschiebt – wie etwa bei den Panasonic-Modellen vorprogrammiert. Die Wahl der richtigen Bildgröße ist abhängig einmal von den äußeren Umständen, allen voran der Menge der Zuschauer und damit auch des benötigten Abstandes. Soll man an zehn Plätzen echtes Kino-Feeling haben, braucht man schon einen großen Raum und vielleicht drei Meter Bildbreite. Davon wiederum hängt es ab, welche Lichtleistung man benötigt und auch, ob die Leinwand eine Lichtverstärkung haben sollte oder nicht (siehe Kasten unten).

 

4. Gain-Faktor

Der Gain-Faktor gibt an, wie sehr ein Leinwandtuch das einfallende Licht maximal verstärkt. Denn zaubern kann ein Tuch nicht, die Lichtverstärkung ist vielmehr Ergebnis einer Bündelung: Es wird mehr in eine bestimmte Richtung abgestrahlt, nicht mehr diffus über nahezu 180 Grad. In der Regel erfolgt die Bündelung wie bei einem Spiegel, also: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Das ist ideal, wenn der Projektor unter der Decke hängt und die Leinwand auf halber Höhe. Dann fällt das Licht leicht von oben auf die Leinwand und wird leicht nach unten zum Sitzplatz hin gebündelt. In anderen Fällen schadet dieser Effekt, zum Beispiel bei Schrägprojektion von der Seite mittels Lensshift. Dann bündelt die Oberfläche das Licht zur Seite hin, die Ausleuchtung ist auf der einen Seite viel zu hell, auf der anderen zu dunkel. Je höher der Gain-Faktor ausfällt, umso stärker muss das Licht gebündelt werden. Das bedeutet nicht nur, dass bei falscher Platzierung das Ergebnis negativ ausfällt, sondern schon bei korrekter Positionierung. Denn auch, wer in der Mitte sitzt, sieht die Seiten des Bildes aus schrägem Winkel, so dass weniger Helligkeit zu ihm reflektiert wird.

Um diesen Hotspot zu vermeiden, sollte man im Home Cinema nicht mehr als Gain 1,3 wählen. Speziell im Wohnzimmer ist die Bündelung aber sehr nützlich: Sie sorgt dafür, dass seitlich einfallendes Licht, etwa vom Fenster, zur anderen Seite hin reflektiert wird, während das zentral abgestrahlte Licht des Projektors verstärkt wird. Das erhöht den Unterschied zwischen dunkelster und hellster Stelle im Bild beträchtlich – bei nicht völlig abgedunkeltem Raum oft die einzige Möglichkeit, überhaupt einen Projektor einsetzen zu können. Auch ohne Fremdlicht hilft ein leichter Gain-Faktor, weil weniger Streulicht von Wänden und Decke zurück auf die Bildfläche fällt. In einem Raum, der wohnlich bleiben soll, lässt sich so der Kontrast deutlich anheben.

 

5. Tönung

Eine verblüffende Wirkung erzielt eine grau eingefärbte Projektionsfläche, egal ob Tuch oder Farbe. Das Bild erscheint darauf brillanter, obwohl es rein physikalisch nicht sein dürfte. Denn die Tönung dämpft Restlicht wie hellste Stelle gleichermaßen, so dass der Kontrast gleich bleibt. Aber das Bild wird in den dunkleren Bereich verschoben, was als angenehmer empfunden wird.

Im Heimkino wirklich sinnvoll ist die Einfärbung dann, wenn man sie mit Lichtverstärkung kombiniert. Dann kann man damit das Umbegungslicht spürbar dämpfen, während die Helligkeit des Projektors durch die Bündelung wieder angehoben wird. Damit
steigt der Kontrast merklich.

Das gilt allerdings nur in Räumen mit Fremdlicht, im komplett dunklen Kinoraum hat eine graue Wand nur die gleiche Wirkung wie eine Lampensparschaltung – besseren Schwarzwert auf Kosten der Gesamthelligkeit. Allerdings ohne Einsparung bei Strom und Gewinn bei der Lebensdauer.

 

6. Konstruktions-Typ

Im speziellen Kinoraum setzt man eine fest eingebaute Leinwand ein, in einem Wohnraum macht sich eine bewegliche Fläche besser. Wichtigster Punkt der Konstruktion ist Robustheit, damit die Leinwand keine Wellen schlägt. Am besten verhält sich in diesem Punkt die feste Rahmenleinwand. Damit das Tuch über einem Rahmen glatt bleibt, ist eine straffe Befestigung und ein stabiles Material notwendig. Man kann sich bei Motor-Leinwänden mit einer Seilspannung helfen, die Schwankungen ausgleicht. Kritischer sind von Hand ausgerollte Konstruktionen, weil hier die Kraft durchs Tuch geht und es zusätzlich belastet. Von mobilen Lösungen sollte man die Finger lassen. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass der Vorlauf lang genug ist, also das Bild weit genug nach unten kommt.

 

7. Maskierung

Um das Bild optisch vom Raum zu lösen, mehr Tiefe und Brillanz zu geben, genügt ein schwarzer Rand an alle Seiten. Damit verbessert sich die Bildwirkung subjektiv, zudem lassen sich Unsauberkeiten am Rand elegant kaschieren, wenn er aus mattschwarzem Material gehalten ist. Doch die Grenzen des Bildes variieren mit dem Format des Films. Wer einen Cinemascope-Film auf eine 16:9-Fläche projiziert, hat nur links und rechts einen schwarzen Rand, während oben und unten noch weiße Leinwand unbenutzt bleibt. Ideal ist es dann, wenn man zumindest in einer Richtung die Maskierung anpassen kann.

 

8. Größe, Gain und Lumen

Im Kino strebt man eine Helligkeit von rund 55 cd/m2 (entsprechend 16 FtL) auf der Bildfläche an, was auch für das Kino zuhause gelten darf. Um zu berechnen, was dafür nötig ist, hat Projektorexperte Peter Finzel Formeln entwickelt, die Bildgröße, Gain-Faktor und Lichtleistung in Beziehung setzen. Gainfaktor = (Bildbreite x 10)2 : Lumen

Lumen = (Bildbreite x 10)2 : Gainfaktor
Bildbreite = Wurzel aus (Lumen x Gain) : 10

Daraus ergibt sich zum Beispiel, dass man bei einer Bildbreite von 2,5 Metern und einer Lichtleistung von 500 Lumen einen Gain von 1,25 braucht. Wichtig dabei: Die Lichtleistung nicht aus dem Prospekt nehmen, sondern die Kino-optimierten Werte aus AV-Tests.

 

9. Fazit

Eine hochwertige Leinwand kann heute mehr kosten als der Bildwerfer. Mit Größe und Komfort gehen die Preise nach oben, aber: Ein gutes Exemplar altert kaum und wird auch beim nächsten und übernächsten Projektor gute Dienste leisten. Im Wohnzimmer mit Fremdlicht ist ein leicht graues Tuch mit Lichtverstärkung ideal; ein Wohnraum, der nicht komplett Kino-optimiert werden kann, wird am besten mit weißem Tuch von Gain 1,2 oder 1,3 bestückt, während es im stockdunklen Kinoraum ein neutral weißes Tuch sein darf.